Das Lexikon der Straße
Vokabular aus Graffiti und Sticker Art, ein Satz pro Begriff. Meist geliehenes Englisch, selten erklärt — genau deshalb steht es hier.
- All-city
- In einer Stadt überall gesehen werden, von einem Ende zum anderen. Das schwerste Kompliment, weil es in gelaufenen Kilometern gemessen wird.
- Bite
- Den Stil eines anderen kopieren. Der schwerste Vorwurf der Szene, und er wird nicht zurückgenommen.
- Blaze
- Der Name, den ein Writer sich gibt und den er schreibt. Ein kurzer Blaze malt sich schnell, und das ist kein Detail.
- Bomber
- Ein Gebiet schnell und in Menge abdecken. Das Gegenteil von langsamer, sorgfältiger Arbeit — und man steht dazu.
- Buff
- Die Entfernung durch Stadt oder Eigentümer: Hochdruckreiniger, Überstreichen, Abkratzen. Der Buff gehört zum Kreislauf, und alle wissen das.
- Burner
- Ein fertiges, komplexes Stück, das alles daneben optisch platt macht. Sagt man von einer Wand, nicht von einem Sticker.
- Cap
- Die Düse der Sprühdose. Eine dünne Cap zieht eine Bleistiftlinie, eine fette füllt eine Wand — die Cap zu wechseln ändert die ganze Geste.
- Crew
- Eine Gruppe, die zusammen malt und unter gemeinsamen Initialen signiert. Keine Hierarchie, eine geteilte Signatur.
- Fill-in
- Das Innere eines Buchstabens, im Gegensatz zu seiner Kontur. Dorthin gehen die Farbe und die Zeit.
- Flick
- Das Foto eines Stücks. Da fast alles irgendwann entfernt wird, ist der Flick oft das Einzige, was bleibt.
- Getting up
- Gesehen werden: viel, oft und überall anbringen. Hier zählt die Menge, nicht die Qualität.
- Going over
- Die Arbeit eines anderen überdecken. Geduldet, wenn das Neue besser ist, sonst als Beleidigung verstanden.
- Hall of fame
- Eine Wand, an der das Anbringen erlaubt ist und an der man sich Zeit nimmt. Dort steht das Beste einer Stadt, weil es dort niemand eilig hat.
- Handstyle
- Die Handschrift eines Writers, die Art, wie er seinen Blaze zieht. So erkennbar wie eine Unterschrift, und aus demselben Grund.
- King
- Wer eine U-Bahn-Linie, ein Viertel, eine Stadt beherrscht. Den Titel nimmt man sich, man bekommt ihn nicht.
- Legal wall
- Eine Wand der freien Meinungsäußerung, von einer Stadt oder Eigentümern bereitgestellt. Dort lernt man, ohne etwas zu riskieren.
- Paste-up
- Ein anderswo gezeichnetes Plakat, das dann angeklebt wird. Es geht ab, ohne die Wand zu beschädigen — die sanfteste Art, etwas anzubringen.
- Piece
- Kurz für Masterpiece: ausgearbeitet, mehrfarbig, braucht Zeit und eine Wand, von der man nicht wegrennen muss.
- Roll-up
- Die Farbrolle, mit der man sehr große Flächen sehr schnell abdeckt. Wenig Feinheit, viel Fläche.
- Slap
- Ein Sticker, der auf der Straße angebracht wird. Das Wort kommt von der Geste: Man klatscht ihn im Vorbeigehen drauf.
- Spot
- Der gewählte Ort. Ein guter Spot ist sichtbar, erreichbar und hält — alle drei zugleich ist selten.
- Stencil
- Eine ausgeschnittene Form, durch die gesprüht wird. Schnell angebracht, identisch wiederholbar.
- Sticker bombing
- Eine Fläche so lange mit Stickern zukleben — eigenen und fremden —, bis sie darunter verschwindet. Ganze Briefkästen enden so.
- Tag
- Die Signatur, schnell gesetzt, in einer Farbe. Die einfachste und älteste Form, und die umstrittenste.
- Throw-up
- Zwei Farben, runde Buchstaben, ein paar Minuten. Zwischen Tag und Piece, und auf Tempo gebaut.
- Toy
- Ein Anfänger, oder jemand, der schlecht anbringt. Keine Beleidigung, wenn man es annimmt, und sehr wohl eine, wenn man es abstreitet.
- Wheatpaste
- Der Kleister aus Mehl und Wasser für Paste-ups. Hält sehr gut, kostet fast nichts und wird in einer Küche angerührt.
- Writer
- Jemand, der schreibt — das Wort, das die Szene dem „Graffiti-Künstler“ vorzieht. Es sagt, worum es geht: zuerst um Buchstaben.
- Yard
- Ein Zug- oder Busdepot. Das begehrteste und gefährlichste Gelände, und das, auf dem die ganze Kultur gegründet wurde.